Das Karussell
eine Stückentwicklung von Schönfelder, Hörner, Zeininger
in Kooperation mit dem Jungen Ensemble Stuttgart, JES
Uraufführung: 14.12.2008, JES Stuttgart; Premiere Herne: 01.03.2009
Im Mittelpunkt der Geschichte „Das Karussell“ steht der kleine Paul, der irgendwann Mitte der 30er Jahre im Ruhrgebiet geboren wurde. Paul ist ein ganz normaler Junge, der seine Eltern liebt, seinen Vater vermisst, wenn er weg ist, der Freunde hat, mit denen er spielt, und gerne mal von wilden Abenteuern träumt. Aber Paul hat auch eine besondere Kindheit: Er ist der Sohn eines Karussellbetreibers und wächst inmitten der bunten Welt des Jahrmarkts auf. Bis eines Tages der Krieg beginnt.
„Das Karussell“ ist eine erfundene Geschichte. Sie spielt vor langer Zeit, „als eure Großeltern so alt waren wie wir jetzt, so ungefähr“, wie die Erzählerin am Anfang des Stückes den Kindern im Publikum erklärt. Einer Zeit also, die die allermeisten Zuschauer allenfalls vom Hörensagen kennen. Ältere Zuschauer jedoch werden diese Aufführung anders erleben als jüngere. Für sie ist diese erfundene Geschichte – wahrscheinlich – eng verbunden mit ihren eigenen Erlebnissen, ihrer eigenen Geschichte.
Die Erzählerin weiß nicht genau, ob das, was sie erzählt, sich tatsächlich so zugetragen hat. Sie hat die Zeit nicht selber erlebt, sie kennt sie nur aus der Schule, sicher aus vielen Büchern und Fernsehsendungen und ein bisschen wohl auch aus den Erzählungen ihrer Eltern. Mit ihnen darüber zu sprechen, was sich genau i ihrer Kindheit abgespielt hat, hat sie jedoch verpasst. Jetzt ist ihr Vater Paul gestorben, in seinem Nachlass hat sie eine alte Jahrmarktskiste gefunden, vollgestopft mit Erinnerungen, mit altem Spielzeug, Briefen, Fotos, Kleidungsstücke – und mit einem wunderschönen alten Karussellpferd. Das alles beflügelt ihre Fantasie und sie beginnt, eine Geschichte aus den Kindheitstagen ihres Vaters zu erfinden. Was sie erzählt, könnte sich so zugetragen haben, aber auch ganz anders.
Die Situation der Erzählerin ist ähnlich wie die Situation der Beteiligten an der Inszenierung: in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen, kennen wir den Krieg und die Nachkriegzeit allenfalls aus Büchern und vielleicht aus wenigen Erzählungen unserer Eltern und Großeltern. Aber das Wissen um die Geschichten und Geschichten, ist der Boden auf dem wir heute stehen. Das gilt für die große Welt-Geschichte mit ihren Fakten, Quellen und Zusammenhängen ebenso wie für die eigene Familiengeschichte, die Lebensgeschichte von Eltern und Großeltern.
„Das Karussell“ ist eine Geschichte, die zeigt, dass es in Deutschland nicht immer so war, wie es jetzt ist. Dass sich Leben und Lebensumstände verändern. Im besten Fall kann sie Anstoß sein für Gespräche: wie Eltern und vor allem Großeltern früher gelebt haben, wie es war, als sie selber noch Kinder waren. Sicher werden Großeltern und Enkel dabei auf große Unterschiede stoßen, aber auch auf viele Gemeinsamkeiten. Angefangen bei der Faszination von Karussells und Jahrmärkten – und von Traumwelten.
„Das Karussell“ ist ein Theaterstück für Kinder ab 6 Jahren.
Und ein Theaterstück für Eltern und Großeltern.
Christian Schönfelder
Eingeladen zum 25. Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW 2009 in Castrop-Rauxel
Mit Sabine Zeininger
Regie Frank Hörner
Dramaturgie Christian Schönfelder
Ausstattung Sandra Linde
Theaterpädagogik Ariane Schön, Gabriele Kloke
Fotos Tom Pingel
Dauer: 50 Minuten
Für Zuschauer ab 6 Jahren
Karten: 8 Euro, 4 Euro ermäßigt. Für Schulklassen 3,50 Euro.
Kindern jener Zeit eine Stimme zu geben mit einer leichten wie poetischen Aufführung ist ein besonderes Verdienst des JES. Frank Hörners humorvolle Inszenierung und Sabine Zeiningers differenziertes Spiel machen aus der Vorlage spannendes Erzähltheater von der Überlebenskraft, die uns die Fantasie schenken kann. (Stuttgarter Nachrichten)
Die Inszenierung kommt mit nur einer Darstellerin und einer Holzkiste als Bühnenbild aus. Wer glaubt, dies wäre zu wenig, kennt die Kiste nicht, welche die Erzählerin im Keller ihres Vaters Paul gefunden hat. Denn das Ding erweist sich als Wunderkiste. Nicht nur ist sie sehr wandelbar – mal Verkaufsbude, mal Kuhstall, mal Wohnstube -, sondern auch voller Tiere, Musik und Erinnerungen. (Stuttgarter Zeitung)












